Diesen Beitrag widme ich unseren lieben Nachbarn im Wendehammer.

Es war Muttertag und ich konnte noch ein Bisschen im Bett bleiben, währenddem meine Lieben in der Küche Frühstück vorbereiteten. Es war ein wundervoller Morgen. Ich lag also so da und dachte an den Tag zuvor und unsere Gefährten im Wendehammer:

Wir waren zum Kaffee und zum gemeinsamen Abendessen bei Nachbars eingeladen. Wir wollten uns noch einmal in Ruhe zusammensetzen und unsere Gemeinschaft geniessen, bevor wir ein Jahr lang nicht mehr Garten an Garten wohnen würden. Als ich dann nachmittags mit der Ella so nichtsahnend um die Ecke und in unseren Wendehammer bog, da entdeckte ich an der Garage unserer anderen Nachbarn ein Banner. Davor standen zwei gedeckte Tische, ein kleines Buffet und viele Ballons. Ich blieb stehen, kniff die Augen zusammen und las was da stand: „Wir wünschen euch eine wundervolle Reise mit Trinity.“ Häääääää? Ich hab überhaupt nichts verstanden. Ich muss eine gefühlte Ewigkeit da gestanden haben.

Überraschung!!
Aha? Wie jetzt? Moment mal. Eine Party für uns? Jetzt? Mmh…..aber…..- erwischt! Darauf war ich nun gar nicht vorbereitet. Mich jetzt, heute, mit unserem Abschied von all unseren Freunden auseinanderzusetzen. Und da stiegen sie wieder auf die Tränen, vor Rührung, vor Überforderung, vor Freude, vor Überwältigung, vor Schmerz. Die alle hatten sich hinter unserem Rücken zusammengerottet, um für uns eine Party zu schmeissen. Wow. Es war eine Art Liebeserklärung. Nicht nur in Worten, sondern als eine Erfahrung erlebbar. Und vollkommen unerwartet, denn eigentlich hatten wir die schon längst zu einer großen Party, die wir selber schmeissen, eingeladen.
Warum stehen wir nochmal hier mit Sekt in der Hand? Wir feiern was. Ah- wir feiern uns und dass es nun bald soweit ist, wir feiern Abschied. Immer wieder schauen wir uns an an diesem wirklich wundervollen, schönen Nachmittag: „na wie geht es dir?“ – “ ich habe keine Ahnung, das kommt mir alles vollkommen unwirklich vor.“ Ja unwirklich, denn der Moment wo es wirklich losgeht, scheint noch immer weit weg. Dieser Nachmittag war eine Insel bezüglich all der tausend Dinge, die wir im Moment gleichzeitig für die Reise vorbereiten und zu Ende bringen. Dieser Nachmittag hat mir so unendlich gut getan, hat die Reise ins Zentrum rücken lassen und unsere ganze Anstrengung der letzten und kommenden Wochen für ein paar Stunden vergessen lassen. Ausruhen, auftanken!

Dieser Wendehammer ist wie ein kleines Dorf
Als wenn es gestern gewesen wäre, erinnere ich mich an diese Worte unseres Nachbarn von gegenüber. Es war sozusagen die Einführung in die Gesellschaft am Wendehammer. Was ich verstanden habe war, dass dieser Mikrokosmos Wendehammer innerhalb des Makrokosmos Dorf eine eigene Einheit bilden würde, die in sich super und eigenständig funktionierte. Das tönte doch schon mal gut.
Im Laufe der Jahre stellte sich dann heraus, dass in diesen Worten so viel Wahrheit steckte. Es gibt praktisch alles, was das Leben schöner und oft auch einfacher macht.

  • Campingplatz: zunächst funktionierten Stephan und ich den Wendehammer zum Campingplatz um. Wir renovierten während dreier Monate unser Haus und wohnten in der Zeit in Stephans Wohnmobil, einem alten Nissmann. Wo? Ja mitten drauf auf dem Wendehammer. Drei Monate lang! Es hat sich nie einer beklagt, doch als wir mit dem Wohnmobil weg fuhren, sagte eine dieser liebenswerten Wendehammerbewohnerinnen „jetzt wurde es aber auch Zeit“. Alles klar.
  • Werkstatt: einige Wendehammeranwohner sind handwerklich überaus begabt. Entsprechend ausgerüstet sind die Werkstätten in den Kellern und Garagen. So auch unsere Werkstatt. So oft kommt es vor, dass irgendwelche Spezialwerkzeuge zwischenzeitlich den Haushalt wechseln.
  • Kinder-Hammer: wie die Orgelpfeiffen sind sie, unsere Wendehammerkids. Von weiterführender Schule bis gerade Mal selber zu Fuss unterwegs.
  • Festhütte: mehrmals im Jahr feiern wir zusammen. Je nach Wetter unter irgendeinem Carport oder in der Garage oder eben im Freien. Wir essen, trinken und lachen zusammen. Manchmal frieren wir auch ganz schön, und das selbst Mitten im Frühling.
  • Offene Ohren und Arme: ob ein kurzer Schwatz oder ein ausgiebiges Gespräch. Hier reden manche noch miteinander auch wenn Whats app auch auf dem Wendehammer Einzug gehalten hat. Als wir ganz frisch hier wohnten und bald unsere Tochter zur Welt kam und ich gesundheitlich nicht meine beste Zeit hatte, da gingen sie auf die Türen und Herzen der erfahrenen Mütter und Väter mit bald erwachsenen Kindern. Liebevoll wurde sich gekümmert und unterstützt wo Unterstützung nötig war. Das war ein schwieriger und doch so guter Start für uns hier im Wendehammer und wir werden es euch nie vergessen!
  • Laden für das Nötigste: seien es Milch oder Eier, Mehl oder Waschmittel, Diaprojektoren oder Bastelsachen. In irgendeinem Haushalt gibt es bestimmt das , was dem andern grade fehlt.

Ja, wir mögen unser zu Hause. Nicht nur wegen Haus und Garten, sondern vor allem wegen unseren Gefährten, den Menschen hier. Danke euch allen, wir lieben euch.