Eines Morgens vor ein paar Tagen schrieb ich ein paar wenige Nachrichten mit einer Freundin über WhatsApp. Sie hatte sich entschieden aufzubrechen, um mehr vom Leben zu erfahren und in der Hoffnung sich in der Freude wieder zu finden. Diese Entscheidung würde unweigerlich Veränderungen mit sich bringen und doch sei diese nun getroffene Entscheidung befreiend, und dies obwohl sie auch weh tut.
Weh tut, weil jede Veränderung etwas das hinter uns liegt abschliesst, weil wir den ausgetretenen Pfad, den wir so gut kennen, verlassen. Nicht weil er schlecht war, sondern weil die Sehnsucht nach etwas was uns noch fehlt, ruft.

Ich hatte ihr dann dazu ganz unbewusst ein paar Zeilen geschrieben. Worte die einfach so heraussprudelten:

Aufs Bauchgefühl verlassen auch wenn der Kopf es nicht sofort versteht.
Prioritäten setzen.
Uns ist klar geworden, dass das letzte Hemd keine Taschen hat.
Was ist es was uns wirklich fehlt im Leben zum Glück? Geld, Rum, Ehre?
Nein, es ist Zeit zum Leben und erfahren, nachspüren und verstehen.
Es ist der Raum für echte Begegnungen, tiefe Präsenz und gelebte Liebe der fehlt- oft.
Sich im anderen spiegeln, sich an den eigenen Wunden berühren lassen, damit sie heilen.
Lernen wer man ist.
Gut für sich sorgen, indem wir Zeit mit uns verbringen, Innenschau, Gott in uns finden.
Dafür brauchen wir Raum und Kontrolllosigkeit, schamlose aber liebevolle Selbstreflexion und das Vertrauen, dass das Leben uns beschenkt und die Achtsamkeit die Geschenke zu sehen.

Und mir wurde klar, welch tiefe Sehnsucht daraus spricht. Sehnsucht nach etwas was ich immer wieder phasenweise kennenlernen durfte, etwas das schon innerhalb meiner Erfahrung liegt. Sehnsucht, die der Tatsache entspringt, dass ich durch die Ablenkungen des Alltags immer wieder aus dem Zustand vollkommener Zufriedenheit (Glück) herausgeworfen werde. In diesen Worten nehme ich das Unvermögen wahr, dass es mir nicht gelingt, die diesem Zustand zugrundeliegende vollständige Präsenz im Moment, während des Alltags aufrecht zu erhalten. Der Geist reist in die Zukunft oder in die Vergangenheit, die Funken des Glücks und der Zufriedenheit erfahre ich aber immer dann, wenn der Geist in der Gegenwart präsent ist und die körperliche Existenz mit seiner Anwesenheit, mit Bewusstsein, füllt. Dann bin ich und dann fehlt nichts. Alles ausserhalb dieses Moments ist dann nichtig.

Ich werde von der Erfahrung des Segelns tief berührt und doch kann ich nicht in Worte fassen, nicht verstehen, was das Berührtsein ausmacht. Und vielleicht ist ein Teil der Antwort diese Erfahrung des Seins, eingebettet in die Qualitäten der Natur. Ich als unbedeutender Teil im Universums. Nicht ganz, denn immerhin ein Teil des Ganzen. Welch eine Entlastung.

 

Im Dunst dieser Gedanken höre ich im Rahmen unserer Aufräumarbeiten zu Hause, das Hörbuch von Paulo Coelho „Der Wanderer“. Und eine Geschichte daraus passt sowohl zu diesem, als auch zum letzten meiner Blogeinträge, meiner Gedanken.

Unbeirrt seinen Weg gehen (aus „Der Wanderer“ von Paulo Coelho)

Der Meister sagt: wenn du den Weg deiner Träume gehst, gib dich ihm ganz hin. Lass mit der Entschuldigung „das ist noch nicht ganz das, was ich wollte“, keine Hintertür offen. Denn in diesem Satz liegt der Keim für eine Niederlage. Gehe deinen Weg auch wenn das manchmal heisst, Schritte ins Ungewisse zu tun, auch wenn das heisst, dass du es besser machen könntest. Wenn du deine Möglichkeiten in der Gegenwart ausschöpfst, wirst du in Zukunft sicher besser werden. Doch wenn du deine eigenen Grenzen leugnest, wirst du sie nie überwinden. Stelle dich mutig deinem Weg, fürchte dich nicht vor der Kritik der anderen. Und vor allem lass dich nicht durch Selbstkritik lähmen. Gott wird in den schlaflosen Nächten an deiner Seite sein und deine heimlichen Tränen mit seiner Liebe trocknen.